Bericht über den Arbeitsbesuch erweiterter Vorstand – Vilnius/Reskutenai

Projekt- und Familienbesuche in Vilnius

Den ersten Teil des Besuchsprogramms in Vilnius wurde vom Vorsitzenden Herrn Gärthe in Begleitung seiner Frau Christine absolviert. Antanas Petkunas, unser Mann vor Ort, hatte wieder alles perfekt vorbereitet. Nachdem der Flieger aus Frankfurt in Vilnius gelandet war, empfing Herr Petkunas das Ehepaar Gärthe und chauffierte sie zum ersten Arbeitstreffen in das Sozial- und Familienzentrum der Pfarrgemeinde „Jurgis Matulaitis“ in Vilnius. Dort wurden der Stand der Projektarbeiten mit unseren Familien besprochen, neue Ziele anvisiert und vor allem die dafür vom Förderverein bereitgestellte Fördersumme benannt. In Vorbereitung auf den am Freitag an gleicher Stelle stattfindenden Vereinshöhepunkts, die Festveranstaltung aus Anlass des 25 jährigen Bestehens des Fördervereins Kinder in Litauen e. V. wurden letzte Absprachen getroffen. Das Familienzentrum hatte alle Absprachen die im Vorfeld hinsichtlich des Festes vollumfänglich umgesetzt. Jetzt musste nur noch die Sonne scheinen. Herr Gärthe konnte wieder einmal feststellen, dass auf unserer Partner in Vilnius Verlass ist. Aus Zeitnot wurde der sonst obligatorische Besuch bei den Familien aufgeschoben, denn diese werden ja auch am Freitag bei der Festveranstaltung anwesend sein.

Unsere Gesprächspartnerinnen im Fmilienzentrum

Der Donnerstag begann für den Vorsitzenden des Fördervereins mit einem Arbeitsgespräch im Goetheinstitut in Vilnius. Die Förderung der Deutschen Sprache ist unser gemeinsames Anliegen. Herr Gärthe informierte über den Stand unserer Anstrengungen in der Region Kelme und lotete die weiteren Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus.

Nach dem Mittagessen stand der Besuch in der Kinderkrebsklinik der Vilniuser Universität auf der Tagesordnung. Diese besuche haben oftmals ihre eigene Regie. Diesmal kam es zu einer Begegnung mit einem einjährigen Kind dessen Überlebenschancen nach Auskunft der Ärzte 50:50 standen. Medizinisch kann und wird das notwendige und mögliche getan. Nicht berücksichtigt sind die Belastungen für die Eltern. Die wenigsten könnten es sich leisteten ihren Kindern vor Ort beizustehen. Hier ist Hilfe gefragt.

Zurück aus der Klinik, gab es eine kurze Ruhepause im Hotel. In der Zwischenzeit waren ja weitere Teilnehmer der Besuchsdelegation von ihrem Besuch in Kivyliai im Hotel eingetroffen. Familie Daniel und Familie Malur hatte bereits seit Montag Besuche in Kelme und Kivyliai absolviert und mit unseren Freunden vor Ort die mögliche weitere Unterstützung besprochen.

Dalia, Tomas, Remante, Sigita, Dalia – Familienzentrum J. Matulaitis

Heute stand noch ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm. Gemeinsam mit ehemaligen Unterstützer, Helfern und Förderern sowie den aktuellen Partner aus Vilnius war ein Erfahrungsaustausch und ein Begegnungsabend geplant. Antanas Petkunas hatte ein geeignetes Lokal in der Altstadt gefunden. Es wurde ein guter und unterhaltsamer Abend.

Remualdas Tarvidas im Gespräch mit seiner ehemaligen Mitarbeiterin Jolanta Benuliene

Ehemalige Mitarbeiter der Vilniuser Stadtverwaltung, Remualdas Tarvidas und Jolanta Benuliene, die Ärztin aus dem Kinderkrankenhaus, ehemalige und aktuellen

Sozialarbeiter/innen aus dem Familienzentrum Matulaitis waren gekommen, um mit uns diesen Abend zu verbringen. Die weiteste Anreise hatte unsere ehemalige Organisatorin und Frau vor Ort, Dalia Stakenaite.

Wiedersehen in Jurgis Matulaicio Dalia Stakenaite, Andreas Malur

Sie folgte unserer Einladung aus dem Dänischen Aalborg. Zahlreiche Jugendbegegnungen und auch das Kinderhaus „Visu Sventu“ wären ohne sie nicht denkbar gewesen. Über viele Jahre hinweg bereitete Dalia unsere Besuche und Gespräche im Soziel- und Familienzentrum vor. Auf ihre Empfehlung übernahm dann diese Aufgabe unser zuverlässiger Begleiter Antanas Petkunas. Am Vorabend der offiziellen Feier war dieser Begegnungsabend ein gelungener Auftakt und ein belebender Meinungsaustausch.

Festveranstaltung 25 Jahre Förderverein Kinder in Litauen e. V.

Fördervereinsvorsitzender Wolfgang Gärthe eröffnet die Festveranstaltung

Der Veranstaltungsort war mit Überlegung gewählt worden. Waren die ersten drei Jahre der Hilfe durch den Förderverein dadurch gekennzeichnet durch unmittelbare Hilfen zur Linderung der Not von Kindern und deren Familien. In dieser Zeit bestanden ca. 30 Familienpatenschaften von Spendern aus Deutschland mit einer Familie oder einem Kind in Vilnius. Später, etwa ab 1995 suchte der Verein die Zusammenarbeit mit einem Familienzentrum, welches die Hilfeleistungen koordinieren und fachlich betreuen sollten. Diese Aufgabe übernahm das Sozial und Familienzentrum der Pfarrgemeinde „Jurgis Matulaitis“. Dank einer großen Sachspendenaktion der Erfurter Bevölkerung im Jahr 1993, entwickelte sich in dieser Pfarrei ein Zentrum professioneller Sozialarbeit. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte der damalige Pfarrer Medardas Ceponis. Seit 1995 besteht unserer Kontakt bis heute, wenn es um Familien und Kinderhilfen in Vilnius geht.

Das Fest begann pünktlich um 11:00 Uhr auf der großen Freifläche neben dem Familienzentrum. Zelte und Stände waren aufgebaut. Es war für uns eine große Freude, diese ungezwungene Fröhlichkeit und Freude erleben zu dürfen. Ein herzliches Dankeschön an unsere Partner in dem Familienzentrum für diese ausgezeichnete Vorbereitung des Festes.

Unsere Projektpartner aus Kelme und Reskutenai waren in Mannschaftsstärke angereist. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Musiker aus Reskutenai. Es wurde ein fröhliches Fest. Für den kleinen Hunger wurde eine kräftige Suppe gereicht, so dass kaum noch Wünsche offen blieben.

Reskutenai präsentiert sich auf dem Fest

Es gab viel Raum und Zeit für gute Gespräche. Anden Ständen unserer Projektpartner aus Vilnius, Kelme und Reskutenai gab es viel Interessantes und Nützliches zu sehen. Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen verbrachten fröhliche Standen bei Gesang und Tanz.  Auch das gute Wetter half mit das dieser Tag für alle lange in Erinnerung bleiben wird.

Die “Brückenbauer”

13:30 Uhr waren dann auch unsere Ehrengäste eingetroffen. Herr Gärthe konnte die Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland Frau Angelika Viets begrüßen.

Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland Angelika Viets

Mit besonderer Freude begrüßten die Teilnehmer unser Ehrenmitglied, den ersten Präsidenten der 1991 wiedererstandenen Republik Litauen, Herrn Prof. Vytautas Landsbergis.

Ehrenmitglied des Fördervereins, Prof. Vytautas Landsbergis

Der Arbeits- und Sozialminister Litauens Linas Kukuraitis wurde ebenfalls erwartet.  Herr Gärthe begrüßte alle Gäste. Bevor es die obligatorischen Reden gab, wurde durch Herrn Gärthe an Jolanta Stankoviciute  der Studienfördervertrag übergeben. In diesen Vertrag sichern der Verein und die gemeinnützigen Gesellschaft „Jugend mit Zukunft“ aus Aschaffenburg zu, die  Studienkosten für die Regelstudienzeit zu übernehmen.

Jörg Kallenbach für den Förderverein Kinder in Litauen e. V. und Wolfgang Gärthe für Jugend mit Zukunft gGmbH überreichen Jolanta Stankeviciute den Studienhilfevertrag

Jolanta bedankte sich bei den Spendern und versprach gute Ergebnisse zu liefern. Es folgten die Reden und Grußworte der Ehrengäste. Die Botschafterin, Frau Viets würdigte das 25 Jahre währende Engagement des Vereins und dessen Ergebnisse. Professor Landsbergis zeichnete in einem längeren Vortrag das Bild von der Kultur des Helfens.

Der kurz nach Beginn der Feierstunde eingetroffene Sozial- und Arbeitsminister Litauens, Linas Kukuraitis, danke dem Verein für die Hilfe und Unterstützung  in Litauen und vor allem in Vilnius.

Sozial- und Arbeitsminister Linas Kukuraitis (rechts) hier bei der Übergabe „Stern der Güte“ für Andreas Malur

Minister Kukuraitis verleiht Wolfgang Gärthe den „Stern der Güte“

Aus eigenem Erleben als Sozialarbeiter im Familienzentrum, als Caritasdirektor der Diözese Vilnius, betonte er anerkennend die Hilfe und Unterstützung beim Aufbau des Familienzentrums Jurgis Matulaitis. Die enge Zusammenarbeit mit den Fachkräften des Zentrums war nach Aussage des Ministers ein Schlüssel zum Erfolg. Minister Kukuraitis nutzte diese Feierstunde um Wolfgang Gärthe und Andreas Malur mit dem „Stern der Güte“  auszuzeichnen und damit auch dem Förderverein  Anerkennung und dank für die langjährigen Sozial- und Bildungsarbeit auszusprechen.

Wolfgang Gärthe und Andreas Malur dankten dem Minister für die hohe Wertschätzung unserer Arbeit. Diese Auszeichnung ist aber auch eine Anerkennung, dass unser Motto „Hilfe die ankommt“  immer Maxime unseres Handels war. Viele fleißige und treue Partner waren notwendig. Auch ihnen gilt auch diese hohe Auszeichnung.

Im weiteren Verlauf der Festveranstaltung Präsentierten sich unsere Partner und Unterstützer. So zeigte die Leiterin des Familienzentrum Rimante Eidukeviciute die Struktur der Familienarbeit und dankte für die Unterstützung durch den Förderverein. Die leitende Ärztin der Kinderkrebsklinik dankte für die großherzige Hilfe durch den Verein. „Jetzt hat sich die Situation auf dem medizinischen Gebiet verbessert, der Focus der zukünftigen Hilfen sind jetzt auf die Zeit nach dem Klinikaufenthalt zu richten. Die Belastungen für die Familien sind weiterhin hoch, so die Ärztin. Der Pfarrer der Matulaitisgemeinde, Valdas Girdziusas, richtete ein geistliches Dankwort an die Anwesenden Vereinsmitglieder und hofft auf weitere segensreiche Jahre der Zusammenarbeit.

Pfarrer Valdas Girdziusas, Pal. Jurgio Matulaicio Gemeinde

Der Leiter der Bildungsabteilung des Landkreises Kelme, Stassys Jakubauskas, dankte namens der Schülerinnen und Schüler für die Unterstützung und Förderung der Deutschen Sprache.

Stassys Jakubauskas mit zwei Schülerinnen aus Kelme

Zwei Schülerrinnen trugen dann in deutscher und litauischer Sprache die Geschichte unserer Zusammenarbeit vor. Aus Reskutenai meldete sich die Vorsitzende des Dorfvereins Jane Petkuniene  zu Wort. Gemeinsam mit der Bürgermeisterin dankten sie für die Jahre guter Zusammenarbeit. Die Bürgermeisterin lud den Verein ein, mit der Dorfgemeinschaft das Erntedankfest in Svencionys zu besuchen.

Jane Petkuniene

Die Vertreter unserer Projekte Familienzentrum, Kinderkrebsklinik, Deutsche Sprache in der Region Kelme und Sozialhaus in Reskutenai stellten dem Auditorium ihre Arbeit und die Zusammenarbeit mit dem Förderverein dar. Ehrengäste und Projektvertreter erhielten als Erinnerung an diesen Tag ein Bild vom Erfurter Dom „Sankt Marien“.

Aciu – Jane Petkuniene

Den Abschluss bildete die Präsentation des Sommermalprojektes „Die Brückenbauer“. Die Jugendlichen stellten gemeinsam mit ihrem Betreuer Petras Pivoriunas die Bilder vor. Das Malcamp startete in Vilnius und wurde dann in Reskutenai fortgeführt. In diesem Camp waren auch 6 Erfurter Jugendliche.

Ausstellungseröffnung „Die Brückenbauer“

Hier in Vilnius zeigen uns die Vilnuser Jugendlichen die Bilder. In Erfurt werden es am 20.10.2017 die Erfurter Jugendlichen die Bilder präsentieren.

Nach ca. 2 Stunden wurde endlich das Buffet freigegeben. Die Musikanten spielten noch einmal fröhlich auf.   Dann wurde das Abfahrtssignal für den Vorstand des Fördervereins gegeben – Ziel: Kaltanenai.

Erntedankfest in Svencionys – Sozialhaus Reskutenai

Gegen 19:30 Uhr trafen wir in Kaltanenai ein. Das Hotel kannten wir ja schon. Diesmal überraschte uns das Haus mit der Nachricht, dass es leider kein warmes Wasser gäbe. Alles andere war aber  o k.

Am Samstag ging dann unsere Besuchsreise zum großen Erntedankfest nach Svencionys. Hier konnten wir die ländlichen Bräuche und Sitten hautnah erleben. Es kam zu zahlreichen Gesprächen mit unseren Gastgebern, der Stadt- und Regionalverwaltung von Svencionys.

Gespräche mit Repräsentanten der Stadt Svencionys

Am Nachmittag besuchten wir das Gemeindezentrum und das Sozialhaus von Reskutenai. Die Leiterin des Ortsvereins Frau Jane Pekuniene, zeigte uns mit Stolz das Erreichte.

Besuch des Sozialhauses in Reskutenai

Die Ausstattung der Fahrradwerkstatt wurde zu einer unserer zu lösenden Aufgaben erklärt. Herr Daniel notierte sich alle nötigen Angaben.

Die Monteure in der Fahrradwerkstatt des Sozialhauses

Die Fahrradwerkstatt

Ein kurzer Abstecher zum Grundstück der Familie Petkunai beendete unseren kurzen Aufenthalt in Reskutenai.

Unser letzter Besuchspunkt war das Werkstattareal der Holzbildhauers Jakstas. Herr Jakstas stellte uns seine neuen Arbeiten vor und lud anschließend alle in seine Kapelle.

Besuch beim Holzbildhauer Jakstas

Dann ging es zurück zum Hotel in Kaltanenai. Ein erlebnisreicher Tag und unser Arbeitsbesuch gingen zu Ende. Bei gutem Essen und frohen Liedern verabschiedeten wir uns von unseren Freunden und Helfern.

Abschiedsabend in geselliger Runde

Sonntagmorgen gab es das gemeinsame Frühstück und dann traten die meisten die Heimreise an.  Familie Daniel fuhr mit eignem Auto Richtung Erfurt. Dabei machten sie einen kleinen Umweg, da das Navi nur den Weg über Weißrußland kannte. Aber nach kurzer Nachjustierung fand man den richtigen Übergang nach Polen. Familie Gärthe begab sich zum Airport nach Vilnius. Herr Kallenbach fuhr mit der Familie Malur nach Vilnius, wo man mit Spannung den Ausgang der Bundestagswahl erwartete.